Wir stellen vor: Jakob Stockinger

joel beitrag


Der Besonnene

Die Warnung seines Vaters hat Jakob Stockinger noch immer im Ohr: „Werd bloss ned tennisdeppert!“ Er ist es nicht und gibt sich Mühe, es auch nicht zu werden. Obwohl seine Leidenschaft fürs Tennis gross genug wäre, um sich rund um die Uhr damit zu beschäftigen. Und obwohl er sein Studium in Sport-Management an der Uni Innsbruck nach vier Semestern aufgab, als er merkte, dass er lieber Tennisstunden für übernächste Woche vorbereitete, statt für die Prüfung vom nächsten Tag zu lernen.

Jakob ist ein intelligenter Gesprächspartner. Er überlegt, bevor er antwortet, wählt seine Worte mit Bedacht. Behäbig wirkt er dabei nicht. Der 27-Jährige, der seit Mai 2017 Coach in der Tennis-Academy JC Scherrer in Wangen ist, sagt es so: „Ich war immer schon reif für mein Alter.“ Und das habe er nicht zuletzt dem Tennis zu verdanken.

Aufgewachsen in Scheibbs, einem Dorf im Südwesten Niederösterreichs mit 4000 Einwohnern, jagte er im Kindergarten wie alle Jungs dem Fussball nach. Er fuhr viel Ski, weil sein Grossvater eine Skischule betrieb, und fuhr auch Rennen. Überhaupt nahm er an allen möglichen sportlichen Wettbewerben teil. In der 7. Klasse erhielt er deswegen gar die Auszeichnung für den „Sportler des Jahres“. Tennis gehört seit jeher zu seinen Lieblingsaktivitäten. Der kleine Jakob begann schon früh mit Racket und Ball zu hantieren. Anfangs spielte er vorwiegend mit dem Papa auf der Terrasse, über ein Seil, das sie eigens dafür gespannt hatten. Als er 8 oder 9 Jahre alt war, wichen die ehrenamtlichen Trainer im heimischen Tennisclub einem professionellen Coach aus der Slowakei. Jakob schloss sich einer Trainingsgruppe von 4 bis 5 Jungs an und trainierte intensiver. Er war in diesen Trainings der Jüngste, 2-3 Jahre betrug der Altersunterschied. Davon profitierte er: „Ich verbrachte jede freie Minute mit diesen Jungs auf dem Tennisplatz, in dieser Zeit habe ich mich persönlich schnell entwickelt.“

So vielseitig einsetzbar wie kein Zweiter

Diese Reife hilft ihm als Coach. Jakob hat ein feines Gespür für die Menschen, ist auch deshalb so vielseitig einsetzbar wie kein zweiter. Auf jeder Stufe steht bei ihm der Fortschritt im Vordergrund: „Den Unterhalter sein, magi ned. Ich will, dass meine Spielerinnen und Spieler etwas lernen.“

Leitet er die Ballschule, grinst er mit den Kleinsten um die Wette. Dann baut er schon einmal aus Schaumstoffblöcken eine Burg um die Kids und einen Haufen Tennisbälle und der Spass beginnt. Die Kids müssen versuchen, alle Bälle aus der Burg zu werfen, derweil Jakob draussen weibelt, die Bälle einsammelt und in die Burg zurücklegt.

Im Kadertraining schleift er die Besten, feilt mit ihnen an Technik und Taktik, aber auch an deren Persönlichkeiten. Genauso versiert ist er im Konditionsbereich und auch als Trainer des Fast Learners, ein Anfängerkurs für Erwachsene, wird er geschätzt. „Ein guter Coach hat Fingerspitzengefühl, passt sich dem Alter und der Spielstärke seiner Schüler an“, sagt er, der diese Abwechslung liebt, sie als Bereicherung sieht, aber auch spürt, wie sie ihn auslaugt. „Manchmal gehst du an einem Tag mehrmals vom Nordpol zum Südpol und wieder zurück“, beschreibt er sinnbildlich.

Sprachbegabung reicht von Chinesisch bis Schweizerdeutsch

Sportlich seien seine Erfolge nie der Rede Wert gewesen. „Vielleicht war ich in Österreich in den Top 25 meines Jahrgangs“, sagt er. Als er mit 15 an die Handelsakademie wechselte, rückte der Sport etwas aus dem Zentrum. Ganz legte er sein Racket aber nie zur Seite. „Ich habe immer Interclub gespielt.“

Auf die Matura und den Zivildienst folgte der grosse Umzug. Jakob zog mit seiner Mutter und seiner Schwester nach Shanghai zu seinem Vater, der dort für eine österreichische Firma eine Niederlassung aufbaute. In der chinesischen 25-Millionen-Metropole fand sich Jakob schnell zurecht, ausser an der Uni, an der er sich eingeschrieben hatte. „Sie war zu weit weg und es war einfach kompliziert“, sagt er. Deshalb arbeitete er in den 10 Monaten (nachher kehrte er für den Interclub in die Heimat zurück) als Tennislehrer und machte ein Praktikum in der Einkaufsabteilung der Firma, für die sein Vater arbeitete. Zudem nahm er während drei Monaten Chinesisch-Unterricht. „Sprachlich bin ich nicht ganz ungeschickt“, sagt er und grinst. Trotzdem betrage sein Wortschatz auf Chinesisch heute wohl keine 100 Wörter mehr.

Seine Sprachgewandtheit nützt ihm auch in der Ballschule. Wenn die Kleinsten einmal Mühe haben, seinen Österreicher-Dialekt zu verstehen, wechselt Jakob kurzerhand auf Schweizerdeutsch. „Aber das traue ich mich nur, wenn keine Mamis auf den Bänklis neben dem Platz sitzen“, sagt er. Sonst komme er sich deppert vor. Obwohl: „Die Kids verstehen mein Schwizerdütsch sehr guet.“

Pipo und der Zufall führten ihn nach Wangen

Sein flüchtiger Bekannter Philipp Lener (Pipo war damals Coach in der Tennis-Academy JC Scherrer), den er zufällig auf einer Geburtstagsparty eines gemeinsamen Kollegen traf, führte ihn im Mai 2017 ins Sport- und Fitnesscenter Leuholz. Während 15 Monaten pendelte Jakob zwischen Wangen und Innsbruck, 3 Tage da, vier Tage dort, wo er weiterhin für den Tiroler Tennisverband tätig war. „Ich wollte nicht alles aufgeben, um hier im schlimmsten Fall zu merken: Das passt nicht.“ Aber es passte. Seit August 2018 ist Jakob zu 100 Prozent an der Tennis-Academy engagiert. An Österreich vermisst er vor allem seine engsten Freunde, die Familie und die Mehlspeisen (Süssgebäcke). Als Ausgleich setzt er sich gerne mit Politik auseinander und versucht an den Wochenenden so oft wie möglich, in die Berge zu fahren, um zu wandern oder Ski zu fahren. „Ich könnte auch zu Hause am Fernseher vier Tennismatches an einem Tag schauen.“ Er sagt es, grinst und denkt an seinen Papa: „Aber i will ja ned tennisdeppert werden.“

Lieblingszitat:

Gratitude is an Attitude. (Dankbarkeit ist eine Haltung)

Allistair McCaw

Entweder – Oder?  mit Jakob Stockinger

Rösti oder Wiener Schnitzel?

Ja, da muss ich schon Wiener Schnitzel nehmen.

Zürich oder Wien?

Phuuu. Wien ist eine supermegacoole Stadt, in der ich mir vorstellen könnte zu leben.

Zürich ist natürlich deutlich kleiner, steht Wien aber in nichts nach. Ich entscheide mich meines Heimatlandes wegen für Wien.

Fitnessstudio oder Fernsehabend?

Alles zu seiner Zeit (lacht). Hätte ich mich zwischen Fitnessstudio und Berge entscheiden müssen, wäre die Wahl ganz klar auf die Berge gefallen.

Ballschule oder Kadertraining?

(Er grinst, überlegt lange.) Ich kann mich nicht entscheiden, beides hat seinen Reiz.

Federer oder Thiem?

Federer.

Nadal oder Djokovic?

Da muss ich aufteilen: auf dem Platz tennisbezogen Djokovic, auf dem Platz charakterbezogen Nadal. Nadals Haltung und sein Kampfgeist sind schon beeindruckend. Bei Djokovic kann ich das süffisante Lächeln nicht leiden, wenn der Gegner einen Lauf hat.

Aufschlag oder Return?

Aufschlag.

Top Spin oder Slice?

Top Spin.

Sand oder Hartplatz?

Sand.


Wir picken jeden Monat einen Coach aus dem Team und stellen ihn euch vor. Damit ihr erfahrt, was eure Coaches auch neben dem Platz bewegt.

Bereits erschienen:

Jakob Stockinger - Der Besonnene

Jakob Stockinger - Der Besonnene

Erschienen im Oktober 2019

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Joel Heiniger - Der Weltenbummler

Joel Heiniger - Der Weltenbummler

Erschienen im September 2019

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Christa Donabauer - Die Allrounderin

Christa Donabauer - Die Allrounderin

Erschienen im August 2019

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Ivan Peckaj - Der Unermüdliche

Ivan Peckaj - Der Unermüdliche

Erschienen im Juli 2019

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Unsere Tarife inkl. Platzmiete, Material und Coach für 60min:
  • Winter

    Winter

    16.09.19 - 19.04.20
    Vor 17:00 CHF 135.- Nach 17:00 CHF 145.- Headcoach CHF 155.-
  • Sommer

    Sommer

    22.04.19 - 15.09.19
    Vor 17:00 CHF 125.- Nach 17:00 CHF 135.- Headcoach CHF 150.-
  • Für Clubmitglieder

    Für Clubmitglieder

    22.04.19 - 15.09.19
    Vor 17:00 CHF 90.- Nach 17:00 CHF 90.- Headcoach CHF 120.-
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